• Projekt:
  • Hochwasserfreilegung der Helme in Sundhausen und Gewerbegebiet „An der Helme“ in Nordhausen / Naturschutzfachliche Genehmigungsplanung, Ökologische Bauüberwachung und Baubetreuung

  • Auftraggeber:
  • Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie Jena

  • Ausführungsjahr:
  • 2006 - 2011

  • Projektleitung:
  • Ines Andraczek

  • Mitarbeiter:
  • Dipl. Biol. Uli Engelhart
    Dipl. Biol. Peter Endl
    Dr. rer. nat. Falko Wagner
    Maria Schmalz
    Rolf Kleemann
    Dr. Ronald Bellstedt 


Bilder zum Projekt

2006 beauftragte die heutige Thüringer Landesanstalt und Geologie in Jena (TLUG) als Unterhaltungspflichtige Institution für die Helme bei Nordhausen (Gewässer I. Ordnung) unser Büro mit der Erstellung einer Umweltverträglichkeitsstudie für die Hochwasserfreilegung der Helme in der Ortschaft Sundhausen sowie im Gewerbegebiet „An der Helme“ in Nordhausen.

Die Notwendigkeit des Gewässerausbaues resultiert aus dem eingeschränkten Hochwasserschutz für Teile der Ortslage Sundhausen sowie des Gewerbegebietes in Nordhausen. Im Rahmen der Planung für die Hochwasserfreilegung der Helme in Sundhausen und im Gewerbegebiet „An der Helme“ in Nordhausen erfolgten umfangreiche Untersuchungen zur Flora und Fauna des Gebietes.

Insgesamt wurden die folgende Arten/Artengruppen erfasst:
+ Gefäßpflanzen
+ Bachmuschel
+ Libellen
+ Limnofauna
+ Fische und Rundmäuler
+ Vögel
+ Fledermäuse
+ Fischotter

Schon im Vorfeld war bekannt, dass es sich bei dem betreffenden Helmeabschnitt, einschließlich seiner Aue trotz in der Vergangenheit durchgeführtem umfangreichen Gewässerausbau und der Laufbegradigung um thüringenweit bedeutsame Habitate handelt. Die Helme zählt in Nordthüringen zu den Hauptverbreitungsgebieten der Bachmuschel (Unio crassus) sowie des Bachneunauges (Lampetra planeri) und der Westgroppe (Cottus gobio). Zudem gelangen im Umfeld des Untersuchungsgebietes vor Planungsbeginn Nachweise des Fischotters (Lutra lutra), dessen weitere Ausbreitung damals anzunehmen war. 

Aus diesem Grunde war die Helme nebst ihrer Mühlgraben bereits als FFH-Gebiet DE 4531 403 „Helme mit Mühlgräben“ ausgewiesen worden. Unter den im Standard-Datenbogen des FFH-Gebietes als Schutzziel aufgeführten Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie befinden sich Fischotter, Westgroppe, Bachneunauge und die Helmazurjungfer (Coenagrion mercuriale).
 
Die im Rahmen der Vorplanung durchgeführten Untersuchungen der Mitarbeiter des Büros für regionale Grün- und Landschaftsplanung Mihla bestätigten die bereits vorliegenden Angaben. Besonders bemerkenswert war das zahlenmäßig starke Vorkommen des Bachneunauges in der Helme. Der Nachweis von Laichhabitaten in der Helme stellte für die technischen Planungen erhebliche Schwierigkeiten dar, da sich innerhalb des FFH-Gebietes für die als Schutzziel aufgeführten Arten keine Verschlechterung des gegenwärtigen Zustandes ergeben darf. In der weiteren technischen Planung fanden die Lebensrhythmen und –zyklen besondere Berücksichtigung.

Da eine Beeinträchtigung des Laichhabitates infolge veränderter Strömungsverhältnisse trotz Belassen der Brückenpfeiler im Profil nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, wurden im weiteren Planungsverlauf Maßnahmen zur Habitataufwertung für das Bachneunauge an den Helmeabschnitten im Ober- und Unterwasser der Ortslage Sundhausen entwickelt. Diese deckten sich mit den Vorgaben der EG-Wasserrahmenrichtlinie und stellen gleichzeitig Verbesserungen für viele andere Tier- und Pflanzenarten dar.

Im Juli 2008 wurden die Pläne für das notwendige wasserrechtliche Verfahren im Thüringer Landesverwaltungsamt Weimar eingereicht. Aufgrund der intensiven Kommunikation mit den kommunalen Vertretern, betroffenen Bürgern und insbesondere den Landwirten, die innerhalb des geplanten Polders wirtschaften, während des gesamten Planungsprozesses konnte bereits am 20.01.2009 ein Planfeststellungsbeschluss erteilt werden.

Derzeit laufen die baulichen Umsetzungen der Planung auf Hochtouren. Das Büro für Grün- und Landschaftsplanung nimmt die Ökologische Bauüberwachung und Baubegleitung wahr. Neben der Bauüberwachung gehört die Evakuierung von Fischen und Rundmäulern vor jeder Baumaßnahme in der Gewässersohle zu den Aufgaben unseres Büros.